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Bovine Virusdiarrhoe/Mucosal Disease (BVD/MD)

Allgemein

Schwarzweiße Kuh auf einer Kuhwiese, links Teil einer weißen Kuh

Die in Deutschland anzeigepflichtige Tierseuche Bovine Virusdiarrhoe/Mucosal Disease (BVD/MD) ist weltweit eine der verlustreichsten Viruskrankheiten des Rindes. Schäden entstehen durch Krankheitsbilder wie Fruchtbarkeitsstörungen, Aborte, Geburt lebensschwacher Kälber, Durchfall oder grippeähnliche Erkrankungen sowie durch direkte Tierverluste aufgrund der „Mucosal Disease“. Die Mucosal Disease („Schleimhaut-Krankheit) als eine Sonderform der BVD/MD äußert sich als tödlich verlaufende, unheilbare Darmentzündung verbunden mit unstillbarem Durchfall, manchmal auch mit Schädigungen der sichtbaren Schleimhäute.

Krankheitsbild/Klinik

Eine wichtige Rolle in der Verbreitung der BVD/MD nehmen lebenslang („persistent“) mit BVD-Virus infizierte Rinder (als „Dauerausscheider“, „Virämiker“ oder „PI-Tiere“ bezeichnet) ein. Sie erkranken infolge einer BVD-Virus-Infektion des noch ungeborenen Kalbes im Muttertier, wenn sich die Kuh während der ersten ein bis drei Monate der Trächtigkeit infiziert. Der überwiegende Teil dieser PI-Tiere ist bei der Geburt klinisch unauffällig. Ein geringer Teil bleibt in der Entwicklung zurück und wird als „Kümmerer“ auffällig. PI-Tiere scheiden lebenslang BVD-Virus aus und stellen die Hauptinfektionsquelle dar.

Einige PI-Tiere sterben in den ersten beiden Lebensjahren an der Mucosal Disease. Beim Auftreten typischer Fälle der Mucosal Disease liegt das Infektionsgeschehen also schon lange Zeit zurück, weil die betroffenen Rinder bereits im Muttertier mit dem Virus Kontakt hatten. Es überleben aber solche Rinder auch als gesund erscheinende Dauerausscheider, die dann wiederum selbst PI-Tiere zur Welt bringen.

Infektionen in späteren Trächtigkeitsstadien können zu Missbildungen, Aborten oder zur Geburt lebensschwacher Kälber führen. Neben den Auswirkungen auf die Trächtigkeit kann das Virus aber auch eine Immunschwächung beim betroffenen Rind selbst bewirken und zu den unterschiedlichsten Krankheitsbildern beitragen. Verlaufsformen von völliger Unauffälligkeit über Leistungsabfall, Durchfall, Erkrankung des Atmungsapparates bis hin zu schweren unstillbaren Durchfällen oder Blutungen sind möglich. Eine Infektion kann sich in Abhängigkeit vom beteiligten Virusstamm von der Abwehrlage im Bestand und von der Verfassung der einzelnen Rinder unterschiedlich stark auswirken.

Diagnose

Nach einer Infektion mit dem BVD/MD-Virus bilden die Rinder – mit Ausnahme der PI-Tiere – Antikörper, die sich im Blut serologisch nachweisen lassen. Die Bestimmung von Antikörpern kann deshalb Hinweise auf eine zurückliegende Infektion im Bestand geben. PI-Tiere bilden in der Regel keine Antikörper, tragen das Virus aber zeitlebens mit sich. Diese Tiere können deshalb nur über den direkten Nachweis des Virus („Antigennachweis“) gefunden werden – nach der Kolostrumaufnahme besteht hier allerdings für die ELISA-Diagnostik im Blut eine „diagnostische Lücke“ bis zum 61. Lebenstag. Für die PCR-Diagnostik aus einer Blutprobe und die Untersuchung einer Ohrstanze gibt es dagegen keine diagnostische Lücke.

Bekämpfung

In Deutschland ist die BVD/MD anzeigepflichtig. Die Bundesverordnung zur Bekämpfung der BVD/MD gilt ab 01.01.2011. Wie auch in Nordrhein-Westfalen existieren bereits jetzt in einigen Bundesländern, aber auch in Österreich oder Italien staatliche oder freiwillige Bekämpfungsprogramme. Die BVD-Unverdächtigkeit eines Betriebes und einer Region wird sich deshalb zukünftig als Handelsvorteil erweisen.

Zur Bekämpfung dieser wirtschaftlich bedeutenden Infektionskrankheit wurde in NRW im Oktober 2009 ein Freiwilliges BVD-Bekämpfungsverfahren mit Unterstützung der Tierseuchenkasse und der staatlichen Behörden begonnen, an dem sich aktuell über 95 % aller Betriebe, in denen Kälber geboren werden, beteiligen. Nach der initialen Gesamtbestandsuntersuchung mittels Blutprobe bildet seit Januar 2010 die Untersuchung aller neugeborenen Kälber über die Ohrstanze die zentrale Säule der BVD-Bekämpfung in NRW. Zum 01.01.2011 wird das freiwillige Verfahren von der Pflichtuntersuchung gemäß Bundesverordnung abgelöst.

Die Tierseuchenkasse gewährt Beihilfen bei Verlusten durch die Mucosal Disease, für die Merzung von PI-Tieren und übernimmt Kosten für die Untersuchungen im Rahmen des Freiwilligen Bekämpfungsverfahrens.